IV. Reisebericht I.
Reisebericht I.
In Montecassino ändert sich der Tagesablauf nie nennenswert, was weitere Blogeinträge darüber monoton werden lässt. So habe ich mich entschlossen, meinen Fokus in den nächsten beiden Einträgen eher auf die Erlebnisse zu richten, die ich zwischen den Wochen, an den Wochenenden, bei unseren privaten Ausflügen gemacht habe. Damit diese besonderen Ereignisse nicht untergehen, wollte ich sie nicht in den normalen Bericht einbauen, sondern ihnen einen eigenen Eintrag widmen.
Unsere vier größten Erlebnisse waren die Heiligsprechung von , das Jubiläum marianischer Frömmigkeit, unsere Reise nach Pompeji und ein Tagesausflug in die Vatikanischen Gärten, wobei ich mich dem erstenin diesem Eintrag widmen will.
Die Heiligsprechung von Carlo Acutis und Pier Giorgio Frassati
Nach über einem Jahr Rom-Abstinenz ging es für Ruben und mich am 6. September, 13 Tage nach unserer Ankunft in Montecassino, in die Ewige Stadt. Seit meinem letzten Besuch hatte sich einiges verändert: Plötzlich sind vier Heilige Pforten offen, der Heilige Vater ist Amerikaner und kein Argentinier mehr, und neben der Salus Populi Romani liegt ein neues Grab mit skurrilem Schriftlayout.
Zum ersten Mal bin ich während meiner Wallfahrt und dann in der ersten Religionsstunde der 12. Klasse auf aufmerksam geworden. In Devotionalienläden der Ewigen Stadt hatte ich mehrmals ein Porträt des „soon to be“-Heiligen gesehen, aber erst durch eine Erzählung meiner Religionslehrerin einen Namen zum Gesicht bekommen. Da auch das Internet schnell auf den ersten Millennial-Heiligen aufmerksam geworden ist, hat sich bei mir ein Interesse entwickelt, seiner Heiligsprechung beizuwohnen.
Von hatte ich davor noch nie gehört. Noch in Deutschland haben wir mit der Sekretärin des Priors besprochen, wie il viaggio zum Petersplatz aussehen würde. Da der Prior in Sant’Anselmo als Professor arbeitet, haben wir die Möglichkeit bekommen, dort zu schlafen.
Wir sind am Samstag, einen Tag vor der Heiligsprechung, um 7 Uhr morgens in Rom angekommen. Der erste Tag war eine einzige lange Aufzählung römischer Stationen: Santa Maria Maggiore, Santa Prassede, Lateranbasilika, die Heilige Stiege, San Clemente al Laterano, San Pietro in Vincoli, das Kapitol, Santa Maria in Aracoeli, San Nicola in Carcere, Santa Maria in Cosmedin, die Tiberinsel, das Pantheon, Santa Maria sopra Minerva, der Trevi-Brunnen sowie Santa Maria in Trastevere im Herzen von Trastevere. 50.000 Schritte am ersten Tag – ganz Rom in an einem Tag. Um 21 Uhr waren wir dann in San Anselmo, wo Bruder Klemens zurzeit Urlaub machte.
Für die Heiligsprechung hatten wir Tickets und sind mit unserem Gepäck morgens um 3 Uhr zum gelaufen, wo bereits Menschen auf dem Boden schliefen. Die ganze Zeit herrschte Unsicherheit darüber, wo man sich mit Tickets anstellen musste. Der Einlass sollte um 6:30 Uhr beginnen, verzögerte sich jedoch bis etwa 8 Uhr.
Bei der Kanonisierung standen wir in der dritten Reihe vorne und waren dem Pontifex bei seiner ersten Heiligsprechung sehr nahe. Für uns war es die erste Kanonisierung, die wir miterlebt haben. Man begegnete unzähligen Menschen aus aller Welt. Eine Familie war mit ihrem schwerkranken Kind angereist; sie hofften auf ein Wunder durch die Fürsprache von . Diese Hoffnung und zugleich diese Not waren spürbar bewegend und traurig zugleich.
Nach der Kanonisierung und der ersten Begegnung mit dem neuen Papst war Rom rund um den Vatikan von etwa 400.000 Pilgern überfüllt.
Eine Kanonisierung verbindet alle Aspekte der Kirche in einem einzigen liturgischen Akt: das marianische Prinzip, das empfangende, hörende und heilig werdende Moment der Kirche; die Spiritualität und Mystik des Heiligseins als konkrete Verwirklichung der Taufgnade; und das petrinische Prinzip mit seiner Bindemacht, wenn der Papst feierlich ausspricht, dass ein Mensch zur Ehre der Altäre erhoben ist. Es war etwas sehr Schönes, das als Katholik miterleben zu dürfen, nicht nur ein Ereignis, sondern eine verdichtete Erfahrung von Kirche.





Kommentare
Kommentar veröffentlichen