Oktober - Der heilige Rosenkranz

Oktober,
Monat des heiligen Rosenkranzes

Das Gnadenbild der Jungfrau vom Rosenkranz in Pompeji


Liebe Leserinnen und Leser,

wir haben den September und damit den Sieben-Schmerzen-Marien-Monat verabschiedet. Doch die Zeit der marianischen Meditation und Kontemplation über unseren Herrn Jesus Christus nimmt damit kein Ende. Der Oktober schließt sich dem September nicht nur kalendarisch an, sondern bietet durch die Gebetseinladung zum Rosenkranz eine Betrachtung des gesamten Lebens Christi.

Eigentlich wollte ich in diesem Blog davon absehen, Texte pastoraltheologischen Charakters zu veröffentlichen. Doch mittlerweile sehe ich es als eine Art lectio divina und damit passend in den benediktinischen Rahmen des Projekts.


Theologie des Rosenkranzes

Der Rosenkranz ist wohl eine der, wenn nicht die bekannteste Gebetspraktik der katholischen Kirche – und das nicht ohne Grund. Das Gebet ist praktisch eine kleine Heimliturgie durch seine hohe ästhetische Aufbereitung.

Ursprünglich war er als Werkzeug gegen Häresien gedacht und dem heiligen Dominikus von der Gottesmutter geschenkt. Durch die Wiederholungen konnten selbst theologische Laien am Evangelium teilhaben.

Mittlerweile wird der Rosenkranz als Devotionalie und Andachtsgegenstand zur katholischen Meditation und Kontemplation verwendet. Der Oktober gilt seit Papst Pius V. (16. Jh.) als Rosenkranzmonat. Hintergrund ist der Sieg in der Seeschlacht von Lepanto (1571), den man dem Rosenkranzgebet zuschrieb. Papst Leo XIII. hat später den Oktober offiziell dem Rosenkranz geweiht.

Der Rosenkranz als Gebetskette wirkt nicht ex opere operato wie ein Sakrament, sondern ex opere operantis ecclesiae, durch das Gebet der Kirche, das ihn begleitet, und durch die Disposition des Betenden. Trotzdem kann laut Thomas von Aquin der materielle Rosenkranz durch Segnung oder durch seine reine Natur als katholische Sakramentalie ebenfalls eine geistliche Wirkung entfalten, indem er zum Instrument göttlichen Wirkens geweiht wird.

Wie Weihwasser oder Medaillen sind Rosenkränze keine magischen Gegenstände, sondern Teilhabe der betenden Kirche. Der Rosenkranz als Gegenstand verkörpert sichtbar die Entscheidung des Trägers, zu Christus und seiner Kirche zu gehören. Viele Gläubige tragen Rosenkränze in schweren Lebenssituationen wie Prüfungen bei sich, in der Hoffnung auf göttliche Führung und Schutz. Dabei ist nicht der Gegenstand heilswirksam, sondern er wird es durch die Verbindung von Kirche (Segen), Gläubigem (Gebet) und Christus (Heilsgegenwart).

Geschichte

  • Heiliger Dominikus (12./13. Jh.) – Überlieferung zufolge empfing er den Rosenkranz von der Gottesmutter als Waffe gegen Häresien.
  • Spätmittelalter – Die Praxis verbreitete sich durch die Dominikaner in ganz Europa.
  • Papst Pius V. (16. Jh.) – Der Rosenkranz wurde als geistliche Waffe im Zusammenhang mit der Schlacht von Lepanto hervorgehoben.
  • Papst Leo XIII. (19. Jh.) – Weihe des ganzen Monats Oktober dem Rosenkranz. Er gilt als „Rosenkranzpapst“.
  • Johannes Paul II. (2002) – Ergänzte den Rosenkranz durch die „lichtreichen Geheimnisse“.
  • 15-Dekaden-Rosenkranz – Bis zum 20. Jh. war der Rosenkranz traditionell auf 15 Dekaden (freudenreich, schmerzlich, glorreich) begrenzt. Diese Form wird bis heute z. B. von den Franziskanern gepflegt.
  • Heute – Der Rosenkranz ist eine universelle Andachtsform, die weltweit gebetet wird.

Aufbau des Rosenkranzgebets

Das Rosenkranzgebet gliedert sich aus einer Abfolge klassischer Gebete wie dem Ave Maria, dem Vater unser und dem Ehre sei dem Vater in einer repetitiven Struktur von fünf Dekaden mit Verbindungsteilen. 

Durch diese Wiederholung wird ein Rhythmus geschaffen, der einerseits Ruhe schenkt und andererseits die Aufmerksamkeit auf die Betrachtung der Geheimnisse lenkt. 

Der Rosenkranz ist so nicht nur ein Gebet des Mundes, wie oft von Protestanten kritisiert, sondern auch des Herzens. Er verbindet die Einfachheit der Gebetsformel mit der Tiefe der Evangelien. Die Geheimnisse sind dabei das Herzstück, weil sie uns in den Lebensweg Christi und Mariens hineinführen. Sie lassen uns Anteil nehmen an Freude und Leid, an Verkündigung und Verklärung, an Tod und Auferstehung.

Die Geheimnisse des Rosenkranzes

Freudenreicher Rosenkranz

  1. Den du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast. – Lk 1,26–38
  2. Den du, o Jungfrau, zu Elisabeth getragen hast. – Lk 1,39–56
  3. Den du, o Jungfrau, zu Bethlehem geboren hast. – Lk 2,1–20
  4. Den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast. – Lk 2,22–35
  5. Den du, o Jungfrau, im Tempel wiedergefunden hast. – Lk 2,41–52
Die freudenreichen Geheimnisse erzählen von der Nähe Gottes in den ersten Schritten des Lebens Jesu. Sie laden uns ein, den Glauben mit Freude und Dankbarkeit zu leben. In der Verkündigung, in der Geburt und in der Kindheit Jesu wird spürbar: Gott ist Mensch geworden, klein und verletzlich, mitten unter uns. Dieses Geheimnis schenkt Hoffnung, weil es zeigt, dass Gott nicht fern bleibt, sondern in unserem Alltag wirkt. Es geht um Vertrauen, um das Staunen über die Menschwerdung und um das Mitgehen mit Maria, die im Glauben ihr Ja spricht.

Lichtreicher Rosenkranz

  1. Der von Johannes im Jordan getauft worden ist. – Mt 3,13–17
  2. Der sich bei der Hochzeit in Kana offenbart hat. – Joh 2,1–11
  3. Der uns das Reich Gottes verkündet hat. – Mk 1,14–15
  4. Der auf dem Berg verklärt worden ist. – Lk 9,28–36
  5. Der uns die Eucharistie geschenkt hat. – Mt 26,26–29
Die lichtreichen Geheimnisse wurden von Johannes Paul dem Zweiten ergänzt und zeigen uns das öffentliche Wirken Jesu. Er tritt nicht nur als Retter am Kreuz auf, sondern auch als Lehrer, als Verkünder des Reiches Gottes und als einer, der Licht in die Welt bringt. Wir sehen ihn im Jordan, wo er sich zu den Sündern stellt. In Kana wirkt er sein erstes Zeichen. Seine Predigt bewegt Herz und Verstand. Auf dem Berg der Verklärung wird das Göttliche sichtbar. In der Eucharistie schenkt er sich uns selbst. Diese Geheimnisse laden dazu ein, Jesus im Alltag wahrzunehmen als Quelle des Lichts, die Orientierung und Kraft schenkt.

Schmerzhafter Rosenkranz

  1. Der für uns Blut geschwitzt hat. – Lk 22,39–46
  2. Der für uns gegeißelt worden ist. – Joh 19,1
  3. Der für uns mit Dornen gekrönt worden ist. – Mt 27,27–31
  4. Der für uns das schwere Kreuz getragen hat. – Joh 19,17; Lk 23,26–32
  5. Der für uns gekreuzigt worden ist. – Lk 23,33–46
Die schmerzhaften Geheimnisse führen uns in die Passion Jesu. Sie zeigen, dass der Weg des Glaubens Leiden mit sich bringen kann. Wir begleiten Jesus nach Gethsemane, sehen die Geißelung, die Dornenkrönung, den Kreuzweg und sein Sterben am Kreuz. Es ist schwer, darüber nachzudenken, und doch liegt darin Trost. Jesu Leid macht deutlich: Er kennt unser Leid und trägt es mit. Schmerz hat nicht das letzte Wort. Wer den schmerzhaften Rosenkranz betet, legt sein eigenes Kreuz in Jesu Hände und vertraut darauf, dass Gott selbst aus Leid neues Leben entstehen lässt.

Glorreicher Rosenkranz

  1. Der von den Toten auferstanden ist. – Mt 28,1–10
  2. Der in den Himmel aufgefahren ist. – Apg 1,6–11
  3. Der uns den Heiligen Geist gesandt hat. – Apg 2,1–13
  4. Der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat. – kirchliche Überlieferung
  5. Der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat. – kirchliche Tradition
Die glorreichen Geheimnisse sind die Antwort Gottes auf das Kreuz. Sie verkünden Auferstehung, Himmelfahrt, Pfingsten und die Aufnahme Mariens in den Himmel. Sie lassen die Hoffnung aufleuchten, dass der Tod nicht das Ende ist. Wir betrachten das Leben, das stärker ist als der Tod und das uns selbst verheißen ist. Die Auferstehung Jesu ist nicht nur ein Geschehen von damals, sondern die Quelle unseres Lebens heute. Der Heilige Geist schenkt Mut und Kraft, den Glauben zu bekennen. In Maria erkennen wir die Verheißung einer Heimat bei Gott. Der glorreiche Rosenkranz ist wie ein Blick über den Alltag hinaus in die Ewigkeit, die schon jetzt beginnt.

Die Ordnung des Rosenkranzes in der Woche

  • Sonntag – Glorreicher Rosenkranz
    Am Sonntag, dem Beginn der katholischen Woche, wird der glorreiche Rosenkranz als Erinnerung an das Osterfest gefeiert. Mit der Freude der glorreichen Auferstehung Jesu Christi wird die neue Woche begonnen. Sehr symbolisch ist die Auferstehung auch ein Neuanfang.

  • Montag – Freudenreicher Rosenkranz
    Im Anschluss an das Fest der Auferstehung beginnen wir, Jesu Leben zu betrachten. Die Woche beginnt mit den frohen Mysterien: Verkündigung, Geburt und Kindheit Jesu.

  • Dienstag – Schmerzhafter Rosenkranz
    Der schmerzhafte Rosenkranz am Dienstag erinnert daran, dass Leid zum Weg dazugehört, aber nicht das Ende ist.

  • Mittwoch – Glorreicher Rosenkranz
    Die Mitte der Woche ist geistlich auf die Auferstehung und das Ziel des Glaubens ausgerichtet.

  • Donnerstag – Lichtreicher Rosenkranz
    Der Donnerstag wird traditionell als Tag des Abendmahls gesehen.

  • Freitag – Schmerzhafter Rosenkranz
    Seit jeher ist der Freitag Gedenktag des Kreuzestodes Jesu.

  • Samstag – Freudenreicher Rosenkranz
    Der Samstag ist Marientag. Mit Maria betrachten wir die freudenreichen Geheimnisse.

Franziskaner beten traditionell den 15-Dekaden-Rosenkranz.


Marienfrömmigkeit im Oktober

Am 11. Oktober steht in Rom das Jubiläum marianischer Frömmigkeit an. Dazu wird die Fatimastatue aus der päpstlichen Privatkapelle im vatikanischen Garten den Gläubigen präsentiert. In der Krone der Statue ist die Kugel eingelassen, mit der Johannes Paul II. am Fatimatag 1981 angeschossen wurde.

Nach dem Gottesdienst um 9 Uhr wird um 12 Uhr gemeinsam der Heilige Rosenkranz vor der Fatimastatue gebetet. Um 17 Uhr folgt eine Prozession zum Petersplatz mit anschließendem Gebetsvigil unter Vorsitz des Papstes. Fatima und der Rosenkranz sind eng verbunden, da Maria selbst die Hirtenkinder aufgefordert hat, täglich den Rosenkranz für den Frieden zu beten.

Der Rosenkranzmonat läd ein, täglich den Rosenkranz des Tages zu beten. Insbesonders im Heiligen Jahr der Hoffnung und im Einklang mit dem Aufruf zum Frieden der Mutter von Fatima bietet es sich an, der Praxis zu folgen.


Persönliche Vorbereitung

Seit Mitte September begann ich, das Rosenkranzgebet nach der Vesper in meinen Gebetsalltag aufzunehmen, in Vorbereitung auf den Oktober. Der verfrühte Start gab mir die Möglichkeit, schon eine Routine aufzubauen, die Gebete zu verinnerlichen und einen geeigneten Rahmen zu finden, in dem ich den Rosenkranz im Oktober beten will.


Ein „Sendungsreicher Rosenkranz“

In meiner Kontemplation über die Geheimnisse des Rosenkranzes habe ich mir überlegt, welches Geheimnis ich in Anlehnung an das lichtreiche ergänzen würde. Ein Aspekt, der zwar teilweise in den vier klassischen Rosenkränzen angeschnitten wird, aber eher wenig Beachtung geschenkt bekommt, ist das Geschenk Jesu an die Menschheit: seine heilige Kirche. So kam ich zum Schluss, dass ich einen sendungsreichen Rosenkranz mit ekklesiologischem Fokus etablieren würde. Dabei lag der Schwerpunkt wieder auf konkreten Bibelstellen, die die ursprüngliche Idee des Rosenkranzes als Waffe gegen Häresien, aber auch als spirituelles Gut verbinden. So ist eine biblische Betrachtung der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche in Rosenkranzform entstanden:

  1. Der deine Jünger erwählt hat. - „Sie kamen zu ihm, und er erwählte Zwölf.“ (Mk 3,13–15)
    Hier können die Jünger als die Gesamtheit der christlichen Gläubigen verstanden werden. Jeder von uns ist durch Berufung, Taufe oder Vokation erwählt, Teil des Leibes Christi zu sein.
  2. Der die Apostel ausgesandt hat. - „Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe!“ (Mt 10,5–7)
    Die Aussendung der Apostel ist eine ekklesiologische Grundlage.

  3. Der auf Petrus seine Kirche gegründet hat. - „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ (Mt 16,18)
    Das entscheidend Katholische wird betont: Jesus hat seine Kirche selbst gegründet.

  4. Der die frohe Botschaft der Welt geoffenbart hat. - „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk 16,15)

  5. Der seiner Kirche den Frieden geschenkt hat. - „Meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch.“ (Joh 14,27)

Dieser Rosenkranz ist ausschließlich als kreatives Projekt zu sehen. Ich sehe den Corpus des Rosenkranzes mit den drei traditionellen Geheimnissen als vollendet und mit den lichtreichen als ausreichend ergänzt.

Gedenktage im Oktober

1. Oktober - Geburtstag von Pater Fässler

4. Oktober - Heiliger Franziskus von Assisi

7. Oktober - Fest Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz

11. Oktober - Heiliger Papst Johannes XXIII.

13. Oktober - Letzte Marienerscheinung von Fatima (1917)

18. Oktober - Evangelist Lukas, der Evangelist Mariens


Fünf Marientitel für den Rosenkranzmonat

  • Königin des heiligen Rosenkranzes
  • Mutter der Kirche
  • Zuflucht der Sünder
  • Königin des Friedens
  • Hilfe der Christen

Der Oktober als Rosenkranzmonat schenkt uns die Möglichkeit, das Leben Christi in all seinen Geheimnissen neu zu betrachten. Die Wiederholung der Gebete führt uns in eine Ruhe, in der die Evangelien in Bildern vor unser Herz treten. Freude, Licht, Schmerz und Herrlichkeit bilden einen Weg, der das ganze Leben umfasst. Maria nimmt uns an der Hand, sie führt uns zu ihrem Sohn und hilft uns, ihn tiefer zu verstehen. So wird der Rosenkranz zu einem Gebet, das nicht nur Worte wiederholt, sondern unser Leben im Glauben verankert. Der Oktober lädt uns ein, diese Schule des Gebets bewusst zu leben und darin Kraft, Trost und Hoffnung zu finden.

Einen gesegneten Rosenkranzmonat
Kuba Stroh

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